Die Leserin des Spiels

Nadine Czok ist die zentrale Leistungsträgern des Zweitliga-Aufsteigers HSG Freiburg.


Wurfkraft und Übersicht sind zwei herausragende Stärken der HSG-Torjägerin Nadine Czok. Foto: Patrick Seeger

In Melsungen gegen die SG 09 Kirchhof beginnt für die Handballerinnen der HSG Freiburg am kommenden Samstag das Abenteuer 2. Bundesliga. Die Red Sparrows wollen den Klassenerhalt schaffen und setzen dabei nicht zuletzt auf die Klasse ihrer Vorzeigespielerin: die erst 21-jährige Nadine Czok.


Vor fünf Jahren stellte sich eines Tages im Training der HSG Freiburg eine 16-Jährige vor, die in Brombach das Handballspielen gelernt hattte und damals als Juniorin in Lahr spielte. Nach nur wenigen Minuten und Übungen sagte HSG-Trainer Ralf Wiggenhauser zu seinem damaligen Assistenten: "Es wäre schön, wenn die länger bei uns bliebe." Das große Talent der Nadine Czok, die in der HSG-Familie liebevoll "Czoki" gerufen wird, sei sofort unübersehbar gewesen, erinnert sich Wiggenhauser.

Fünf Spielzeiten hat er seitdem die 1,73 Meter große Rechtshänderin aus dem linken Rückraum trainiert und ist Zeuge einer gewaltigen sportlichen Entwicklung geworden: "Nadine ist im Angriffsspiel enorm torgefährlich, aber noch besser in der Abwehrarbeit. Ihre größte Stärke aber ist die Übersicht. Es ist bei ihrer Klasse unverständlich, dass sie kaum in Nachwuchs-Auswahlteams berufen wurde."

Welchen Stellenwert Nadine Czok bei der HSG besitzt, war leicht zu ermessen, wenn man beobachtete, welche Maßnahmen in den vergangenen Spielzeiten die Drittliga-Trainer der Konkurrenz gegen sie ergriffen. "Nadine war so im Fokus, meist haben sich zwei Gegenspielerinnen mit ihr beschäftigt. Dies brachte mir und Christiane Baum den Vorteil vieler Lücken, von denen wir profitieren konnten", sagt Rebecca Dürr. Die 24-jährige HSG-Spielmacherin aus Steinen spielte schon als Kind in Brombach mit Nadine Czok in einem Team. Mit der Linkshänderin Christiane Baum bilden beide die gesetzte HSG-Rückraum-Achse, auf die es in der 2. Liga entscheidend ankommen wird.

Eine regelmäßige Besucherin der HSG-Heimspiele schwärmt über die Spielweise der Torjägerin so: "Man sieht ihr beim Handballspielen einfach gerne zu. Manchmal hat man den Eindruck, sie bewegt sich im Zeitlupen-Tempo, aber der Ball landet krachend im Torwinkel."

Das Lob vernimmt Nadine Czok gerne. Warum soll sich die gelernte Schreinerin, die in der Freizeit gerne Gitarre spielt, nicht gut fühlen, wenn Trainer Wiggenhauser ihr ins Zeugnis schreibt: "In fünf Jahren hat es mit ihr niemals ein menschliches Problem gegeben. Das sagt alles über ihren Charakter und ihre tolle Familie."

Jetzt wäre Nadine Czoks Mama zu erwähnen: Beate Czok ist bei der HSG Freiburg die Torhüterinnen-Trainerin, sie brachte die Tochter, die ein bisschen auch mit dem Fußball und der Leichtathletik geliebäugelt hatte, zum Handball.

In dieser Sportart ist Nadine Czok nicht nur eine herausragende, sondern auch eine selbstkritische Spielerin geworden: "Vor allem in der Abwehrarbeit muss ich mich noch verbessern." Die sei doch top, sagt zumindest der Trainer. "In der zweiten Liga muss ich noch aggressiver sein", entgegnet Nadine Czok, die es wie Rebecca Dürr gar nicht so mag, im Mittelpunkt zu stehen: "Es ist auch gar nicht so, dass mit uns und Chrissi alles steht oder fällt", betonen beide unisono und verweisen darauf, dass die HSG im Rückraum noch über zahlreiche andere Alternativen verfüge.

Dass "Czoki" jedoch bei ihren Mitspielerinnen fast höher im Kurs nicht stehen kann, verrät ein Eintrag auf der neuen Internet-Seite der Red Sparrows. Unter der Rubrik "Das sagen die anderen über mich" hat eine Kollegin über Nadine Czok geschrieben, sie wäre der "Ivano Balic im Körper einer Brombacherin."

Wenn man bedenkt, auf welches Niveau der kreativ-begnadete kroatische Weltmeister einst die Spielmacher-Position gehievt hat, kann es ein dickeres Kompliment fast nicht geben. Und Nadine Czok verheimlicht auch nicht: "Dieser Vergleich hat mich schon gefreut."

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